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LSG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 01.09.2022 - 37 SF 131/21
Überlanges Gerichtsverfahren - Entschädigungsklage ohne vorprozessuale Geltendmachung der Verzögerungsentschädigung - hohe Kosten für den Entschädigungskläger bei sofortigem Anerkenntnis durch das beklagte Land - Bedauern des beklagten Landes in der Klageerwiderung als Teilanerkenntnis - unangemessene Verfahrensdauer - Kostenfestsetzungs- und Erinnerungsverfahren als ein eigenständiges Gerichtsverfahren - Angemessenheitsprüfung - materiell-rechtlicher Bezugsrahmen - untergeordnete Bedeutung nach Abschluss des Hauptsacheverfahrens - Vorbereitungs- und Bedenkzeit - 3 Monate für Kostenfestsetzungs- oder PKH-Vergütungsverfahren - 12 Monate für Erinnerungsverfahren - nachträgliches Kostenverfahren bei obsiegenden PKH-Empfängern - Widerlegung der Vermutung eines immateriellen Nachteils - Kosteninteresse des Rechtsanwalts nicht ausreichend
§§ 198 ff GVG idF des Gesetzes über den Rechtsschutz bei überlangen Gerichtsverfahren und strafrechtlichen Ermittlungsverfahren (GRüGV - juris: ÜberlVfRSchG)
Das Kostenfestsetzungsverfahren samt sich anschließendem Erinnerungsverfahren stellt ein selbständiges Verfahren iSd § 198 Abs 6 Nr 1 GVG dar.
Für ein Kostenfestsetzungsverfahren steht den Gerichten eine Vorbereitungs- und Bedenkzeit von in der Regel drei Monaten, für ein sich anschließendes Erinnerungsverfahren von regelmäßig zwölf Monaten zur Verfügung.
Ein Kostenfestsetzungs- und Erinnerungsverfahren ist nach Erledigung des Hauptsacheverfahrens für die Beteiligten regelmäßig von nur untergeordneter Bedeutung. Es ist eine klare Differenzierung geboten, in wessen Person welche immateriellen Nachteile eingetreten sind, die eine Entschädigungszahlung rechtfertigen könnten (Anschluss an: BSG vom 10.7.2014 - B 10 ÜG 8/13 R = SozR 4-1720 § 198 Nr 2 - RdNr 31 und vom 12.12.2019 - B 10 ÜG 3/19 R = SozR 4-1720 § 198 Nr 18 RdNr 40 ff, juris).
Wird einem Kläger im Klageverfahren Prozesskostenhilfe gewährt und im Folgenden der Beklagte zur Erstattung der außergerichtlichen Kosten verurteilt, kommt einem sich anschließenden, im Namen des Klägers geführten Kostenfestsetzungs- und Erinnerungsverfahren für diesen überhaupt keine Bedeutung zu. In dieser Fallkonstellation ist der nach § 198 Abs 2 S 1 GVG vermutete Eintritt eines immateriellen Nachteils regelmäßig als widerlegt anzusehen.
Normenkette:
§ 198 Abs 1 S 1 GVG
,
§ 198 Abs 1 S 2 GVG
,
§ 198 Abs 2 S 1 GVG
,
§ 198 Abs 2 S 2 GVG
,
§ 198 Abs 4 S 1 GVG
,
§ 198 Abs 4 S 3 Halbs 2 GVG
,
§ 198 Abs 6 Nr 1 GVG
,
ÜberlVfRSchG
,
§ 73a SGG
,
§ 101 Abs 2 SGG
,
§ 178 SGG
,
§ 197 SGG
, ,
§ 202 S 1 SGG
,
§ 114 ZPO
,
§ 122 Abs 1 Nr 3 ZPO
,
§ 292 S 1 ZPO
,
§ 154 Abs 1 VwGO
, ,
RVG
,
BRAO
Vorinstanzen: SG Frankfurt (Oder) 02.12.2014 S 13 AS 1490/12 , SG Frankfurt (Oder) 06.05.2016 S 13 AS 1490/12 , SG Frankfurt (Oder) 16.12.2020 S 30 SF 237/16 E
Tenor
Die Klage wird abgewiesen.
Die Klägerinnen tragen die Kosten des Verfahrens.
Die Revision wird nicht zugelassen.

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